Nachdem Rebekas Mutter ihrem Umzug aus der Stadt zugestimmt hatte, begannen Monika und Adam sofort m…

Nachdem ihre Mutter endlich grünes Licht für den Kauf einer Wohnung außerhalb der Stadt gegeben hatte, fingen Monika und Adam an, den Papierkram zu erledigen. Sobald alles unter Dach und Fach war, zog Rebekka ein, schleppte ihre Habseligkeiten und das, was sie so zum Leben meinte zu brauchen. Der Vorbesitzer hatte versprochen, sämtliches Mobiliar zu lassen. Die Wohnung war winzig. Den größeren Platz ließ sie den Kindern freilich, sie wollte nicht als Platzräuberin dastehen.

Seit einiger Zeit spielte Rebekka mit dem Gedanken, so schnell wie möglich auszuziehen. Mit Tochter und Schwiegersohn unter einem Dach wurde ihr langsam mulmig zumute egal wie neutral beide taten und wie sehr sie versuchten, sich nicht wegen Nichtigkeiten zu in die Haare zu geraten. Die Lage blieb irgendwie angespannt. Wenn das so weiterging, explodierte das bald wie eine Berliner Currywurst im Mikrowellenherd. Rebekka träumte bereits davon, endlich allein zu wohnen und diesem Familienalptraum Lebewohl zu sagen.

Die ersten Wochen verliefen tatsächlich wie aus dem Bilderbuch. Rebekka gewöhnte sich schnell an den Fahrplan der S-Bahn und fuhr ohne Umsteigen zur Arbeit. Nach Feierabend zauberte sie flugs ein Abendessen und genoss die Ruhe sogar das Telefon schwieg. Sie rief ihre Tochter nicht an, diese wiederum interessierte sich auch nicht, was die Mutter so trieb. Am Wochenende schlenderte Rebekka am Ufer der Spree entlang oder durchstreifte den Rand des Grunewalds. Das Einleben als Single machte ihr immer mehr Spaß.

Aber wie das Schicksal so spielt: Nach exakt drei Wochen war es vorbei mit der Idylle. Ein wildes Klingeln an der Tür durchbrach die Stille. Rebekka öffnete und plötzlich standen Tochter Monika und die zwei Enkelmädchen vor ihrem Wolkenkratzerchen.

Hallo, Mama!!! rief Monika fröhlich. Hallo, antwortete Rebekka, mit einer dunklen Vorahnung, warum die Tochter plötzlich auftauchte. Mama, ich lasse dir heute die Mädchen da, und morgen hole ich sie wieder ab, bat Monika. Ich wollte mal wieder die Wohnung auf Vordermann bringen. Leg die Kinder ins Bett und fang anschließend zum Putzen an. Bist ja jetzt in deiner eigenen Bude, 18 Quadratmeter schaffst du locker in einer halben Stunde.

Monika konnte partout nicht verstehen, weshalb die Mutter so wenig begeistert war. Für Monika war klar: Das Leben von Rebekka hatte sich einzig und allein um sie selbst, die Enkel und deren Sorgen zu drehen. In diesem Moment warf sich die jüngste Enkelin ihrer Oma an den Hals. Rebekkas Herz wurde weich wie ein Kasseler Brot. Diese großen Augen, die Stupsnase, das süße Grinsen und die kleinen Grübchen Rebekka spürte auf einmal, wie sehr sie die Mädchen vermisst hatte.

Na gut, sagte Rebekka und zuckte die Schultern.

Monika überreichte ihrer Mutter eine Tasche voll kleiner Leute-Kram, drehte sich um und verließ die Wohnung auf ein Abschiedsgruß hatte sie offenbar keine Lust. Die Kinder wurden erst am Sonntagabend abgeholt, wissend, dass Rebekka am Montag wieder zur Arbeit musste.

Ab nun brachte Monika ihre Kinder fast jedes Wochenende zur Oma und ließ sie dort bis zum Sonntagabend. Einziger Vorteil an der Geschichte war, dass Rebekka ihren Schwiegersohn nie zu Gesicht bekam. Wenigstens das.

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