Meine Freundin hatte Geburtstag. Mein Mann und ich waren gerade auf dem Heimweg und vor unserem Haus sahen wir plötzlich einen Kinderwagen stehen und darin ein kleines Mädchen, kaum geboren. Wir waren mehr als überrascht. Selbst konnten wir keine Kinder bekommen. Offenbar hatte jemand den Säugling absichtlich vor unserer Haustür abgestellt. Es war ziemlich kalt, also haben wir das Baby kurzerhand ins Auto gesetzt und die Polizei gerufen.
Als die Polizei kam, fanden wir in der Tasche des Babys einen Zettel: Das Mädchen hieß Helene, das Geburtsdatum stand auch dabei. In dieser kurzen Zeit lernten wir sie etwas kennen und verliebten uns prompt in sie. Als die Polizei Helene abholte und ins Kinderheim brachte, beschlossen wir, sie zu adoptieren. Nach einer Odyssee durch den Dokumentendschungel bekamen wir endlich die Erlaubnis.
Doch am Tag, als wir unser Kind abholen wollten, rollte plötzlich eine ganze Truppe im SUV an. Fremde Leute, die stürmisch unsere Helene einforderten angeblich wäre sie ihre Enkelin. Und dann kam die ganze Tragödie ans Licht: Die Mutter war eine junge Frau aus einer anderen Herkunft, der Vater aus einem anderem Land. Da ihre Familie das nicht akzeptierte, verschwieg sie die Schwangerschaft. Sie brachte Helene zur Welt, ließ sie heimlich bei uns stehen und verschwand.
Ihr Freund hatte sie sowieso sitzen lassen, ihren Eltern konnte sie nichts erzählen bis ihr Vater eines Tages Verdacht schöpfte. Als die Verwandten alles herausfanden, wollten sie die Enkelin zurückholen. Ein DNA-Test bestätigte: Helene gehörte tatsächlich zu ihnen. Also wurde das Kind selbstverständlich zurückgegeben.
Natürlich waren wir am Boden zerstört. Aber das Leben ist manchmal doch für eine Überraschung gut: Nach langer Zeit stellte sich heraus, dass ich schwanger war! Und ja, ich musste dann acht Monate im Krankenhaus bleiben. Schließlich kam unsere kleine Tochter auf die Welt. Trotzdem denken wir immer noch an Helene sie ist uns echt ans Herz gewachsen. Und irgendwie hat sie uns auf ihre Weise ein anderes Kind geschenkt…